Schlagbohrer, Farbe & Kreativität: Handwerkerin vs. Künstlerin

Als ich beschloss, meine Wohnzimmer zu renovieren, war mir schon klar, dass das ein Projekt werden würde. Aber dass da doch so viel Staub und mehrere Hänger voller Bauschutt entstehen würden, hatte ich nicht erwartet. Abgesehen von der leicht falsch kalkulierten Zeit. Jeder Arbeitsschritt dauerte ca. vier Mal so lang wie geplant. Aber das Gefühl, mit eigenen Händen gearbeitet zu haben, ist schon geil. Ich bin ziemlich stolz, dass ich alleine als Frau eine Sanierung ohne jegliche Vorerfahrung koordiniert und das meiste auch alleine umgesetzt habe (zugegeben: recht unprofessionell). Gelernt habe ich dabei auch eine Menge. Vorher hatte ich keinen Plan, was ein Rakel, Quast oder eine Giraffe sind.

Im Baumarkt kannte man mich nach täglichen Aufenthalten inzwischen und ich wusste auch, welcher Mitarbeiter in welcher Abteilung arbeitete. Mein Hund Mia staubte regelmäßig Leckerlis ab, deshalb liebt sie mittlerweile Baumarktbesuche.

Zwischendurch hatte ich immer mal Unterstützung von männlichen Freunden – zum Beispiel beim Durchbruch der Wand für meine Terrassentür oder beim Schutt schleppen. Aber nachdem der grobe Krach vorbei war, haben sie mich wochenlang allein gelassen. Zugegeben – ich bin auch ein ungeduldiger Mensch. Einerseits wollte ich die Arbeiten unbedingt im Sommer fertig bekommen, um ab Oktober die Heizung benutzen zu können, andererseits ertrage ich Baustellenstaub in der gesamten Wohnung und herumfliegendes Werkzeug nur schwer. Mein Herz schlägt für Ordnung und Sauberkeit. Also schnappte ich mir das unbekannte Werkzeug und legte los.

Sanieren und basteln – wenn eine Frau alleine loslegt

Als Frau die Wände verputzen

Die Renovierung hat mir auf jeden Fall auch geholfen, mir meiner eigenen Fähigkeiten und Talente bewusst zu werden. Von Tag zu Tag habe ich immer mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten bekommen und den Fortschritt live verfolgt.

Dabei entdeckte ich schnell: Renovieren ist nicht nur Arbeit, sondern auch ein riesiger Spielplatz für Kreativität. Neben all der männlichen Aufgaben sind mir parallel dazu ein paar schräge Ideen gekommen, wie zum Beispiel ein riesiger Dschungel als Wandbild oder ein Sandbild aus übrig gebliebenem Flexkleber zu gestalten. Warum den Kleber nur auf Wände schmieren, wenn er auch Kunstwerke kann? Aber dazu später mehr.

Dieser Artikel ist für alle DIY-Frauen da draußen

Ich habe nicht für professionelle Handwerker:innen geschrieben, sondern für Frauen, die keine Angst davor haben, selbst Hand anzulegen, auch wenn sie keine Experten im Umgang mit Bohrmaschinen und Spachtelmassen sind.

Der große Plan: Von Raufaser und Fenster zu Wandgemälde und Terrasse

Der Durchbruch – Ein Fenster wird zur Tür

Tag 1: Die erste Herausforderung war der Durchbruch der Wand, um mein altes Fenster in eine Terrassentür zu verwandeln. Hierfür mussten zunächst vom Klempner die Heizungsrohre abgeklemmt werden. Das heißt, ich hatte solange keine Heizung, wie hier saniert wurde. Der Zeitplan war recht straff, alles in zwei Monaten fertig zu bekommen.

Während ich beim schnell gemachten Durchbruch Unterstützung hatte – dafür brauchte es eine schwere Flex, einen Schlagbohrer und noch schwerere Muskeln – begann der echte, langwierige Spaß erst danach. Die Steine, Putz, Dämmung und den Staub zu beseitigen, den Mörtel zu glätten und die Kanten fein auszubessern, war weitestgehend mein Job. Es war nicht nur körperlich anstrengend (Stichwort: schwere Geräte), sondern auch eine Lektion in Geduld und Ausdauer, vor allem für mich als Perfektionistin. Allein die Trockenzeiten oder Öffnungszeiten beim Hängerverleih, Recyclinghof oder Baumarkt hatte ich nicht immer mit einkalkuliert.

Das Loch war innerhalb von vier Stunden in der Wand und die Männer dampften ab. Zurück ließen sie mein Wohnzimmer voller Ziegelsteine und eben: ein Loch in der Wand. Wild.

Schutt wegbringen

Tag 2: Am nächsten Morgen wachte ich mit Staub in der Nase auf. Ich ging rüber ins Wohnzimmer: Das Loch war noch da. Der ganze Dreck leider auch. Ich füllte in alte Malereimer die vielen, einzelnen großen und kleinen Steine, Dämmungsmaterial und Bauschutt. Mein Kumpel half mir, alles zum Hänger zu tragen und nach kurzer Zeit war die Ladefläche voll.

Dass dabei so viel Schutt zusammen kommen würde, hätte ich nie gedacht.

Beim Recyclinghof konnte ich 1qm für 11,50 Euro entsorgen. Dann das gleiche Spiel noch einmal und schon war auch dieser Tag wieder rum.

Terrassentür einbauen und Außenwand abdichten

Tag 3 und 4: Nachdem die Terrassentür eingebaut wurde, war der dritte Schritt das Verputzen und am darauffolgenden Tag Streichen der Außenwand. Wieder gingen zwei Tage ins Land.

Innenwand dämmen

Tag 5-9: Nachdem außen soweit alles wieder halbwegs normal aussah und auch der Boden außen geschlossen wurde, konnte ich beginnen, innen die Wohnung winterfest zu machen. Zunächst ließ ich mich im Baumarkt umfassend beraten. Da ich eine Dreifachverglasung bei meiner Terrassentür wählte, musste ich die Altbauwohnung auch entsprechend dämmen, um Schimmelbildung zu vermeiden. Ich entschied mich für Wedi-Platten.

Verputzen der Wände

Nächster Step: Die Wände mussten zunächst mit Rotband wieder auf eine glatte Ebene gebracht werden.

Die Trocknungszeit war etwa 24 Stunden und das Ganze musste dann noch mal wiederholt werden.

Dann ging es ums Anbringen der Dämmung mit Flexkleber an den verputzten Seiten. Klingt einfach, oder? Aber als ich das erste Mal die schweren Dämmplatten halten wollte, während ich gleichzeitig den Kleber auftrug und alles millimetergenau anpassen musste, kam ich mir vor wie ein Jongleur. Spaßig war das nicht immer, aber die Vorfreude auf eine warme, gemütliche und vor allem gut isolierte Winterwohnung hat mich motiviert.

Adios, alte Tapeten!

Tag 9: Dann wartete die nächste Hürde: die alte Raufasertapete. Sie wollte einfach nach 40 Jahren nicht loslassen. Ich bewaffnete mich mit Spachtel, Sprühflasche mit Wasser und etwas Spüli und einer Menge Geduld. An manchen, wenigen Stellen kam mir die Tapete von alleine entgegen, an anderen war sie sehr hartnäckig. Ich brauchte für zwei Wände etwa fünf Stunden. Nachdem ich endlich nackte Wände vor mir hatte, ging es am nächsten Tag weiter.

Haftgrund auftragen – ein echter Spaßverderber

Tag 10: Haftgrund sorgt dafür, dass alles, was danach auf die Wände soll, besser hält. Hier stimmte die Herstellerangabe auf den Verpackungen gar nicht: Ich brauchte ca. doppelt so viel. Haftgrund ist komplett flüssig und mit einem Quast an die Wand zu klatschen. Egal, wie oft ich die Rolle über die Wand zog, die Farbe wurde regelrecht aufgesogen, als wäre ich in einem Wettstreit mit der Wand: Wer schafft es, schneller die Grundierung zu vernichten? Aber gut, nach einer Weile war die doppelte Menge als geplant an Grundierung drauf – ein Fortschritt. Trocknungszeit: 24 Stunden.

Baustellenkaffee und Sommermomente

Egal, wie chaotisch die Baustelle war, eines habe ich mir jeden Morgen gegönnt: einen Kaffee mitten im Chaos. Und was soll ich sagen? Kein Kaffee schmeckt so gut wie der, den man mit staubigen Händen und zwischen Werkzeugkisten trinkt, während die Sonne auf die bald fertige Terrasse scheint.

Es waren diese kleinen Momente, die mich daran erinnerten, warum ich das alles überhaupt mache. Mit der Tasse in der Hand konnte ich kurz durchatmen, den Fortschritt betrachten und den Sommer zumindest für ein paar Minuten genießen – auch wenn ich danach wieder zum Schleifen, Streichen oder Fluchen zurückmusste.

Manchmal saß ich mit meinem Kaffee einfach auf einem Stapel Laminatresten neben Mia, hörte die Vögel draußen und stellte mir vor, wie das alles aussehen würde, wenn es endlich fertig ist. Das gab mir die Energie, wieder anzupacken. Denn so anstrengend es war – diese Momente haben den ganzen Schweiß und Staub mehr als wettgemacht.

Spachteln und Schleifen – die Giraffe bändigen

Tag 11-16: Der wohl anspruchsvollste Teil begann, um eine gleichmäßige Fläche auf den Wänden ohne “Kratzer” hinzubekommen. Hier zeigte sich, dass Renovieren nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch körperliche Fitness erfordert. Zuerst hieß es: Spachtelmasse mit einem Rührstab, den man in den Akkuschrauber steckt, einen perfekten “Teig” zu rühren. Ab dann arbeitet man gegen die Zeit: Die Spachtelmasse ist nur 45 Minuten bearbeitbar, danach wird sie klumpig und fest. Stressig, wenn man unerfahren ist!

Das Auftragen war erstaunlich meditativ… zumindest für etwa fünf Minuten. Danach wurde es zur Herausforderung, denn der Rakel, mein eigentlich treuer Helfer, wollte nicht so wie ich. Mal war die Spachtelmasse zu dick, mal zu dünn, mal blieb sie am Rakel kleben statt an der Wand – und am Ende habe ich das Teil einfach wütend in die Ecke geworfen und angefangen, die Masse mit meinen Händen zu verteilen. Vielleicht nicht nach Lehrbuch, aber hey, die Wände wurden glatt und die kühle Masse fühlte sich an wie Ton und erinnerte mich an meinen letzten Töpferkurs.

Das Trocknen dauerte mehr als 48 Stunden, wahrscheinlich, weil ich das Material zu dick aufgetragen hatte. Auch hier brauchte ich nicht, wie empfohlen, 5kg, sondern 25kg! Als alles durchgetrocknet war, kam die Giraffe ins Spiel – nein, nicht das Tier, sondern die Schleifmaschine mit Teleskopstiel. An sich eine geniale Erfindung, aber sobald man sie in Betrieb nimmt, fühlt man sich, als würde man einen wild gewordenen Staubsauger bändigen. Die Maschine ratterte und vibrierte, dass mir nach wenigen Minuten die Arme brannten. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Giraffe macht, was sie will – außer das zu schleifen, was ich wollte.

Danach wiederholte ich die beiden Arbeitsschritte und spachtelte an den nicht-glatten Stellen noch ein zweites Mal. Jeder kleine Fehler, den man im ersten Durchgang übersieht, rächte sich spätestens hier.

Einmal habe ich vor Erschöpfung die Giraffe abgestellt, mich an die Wand gelehnt und überlegt, ob ich sie nicht direkt bei einem Zirkus abgeben soll. Aber dann habe ich sie wieder geschnappt und weitergemacht, weil ich wusste: Je glatter die Wand, desto leichter lässt sich die Farbe für mein Wandbild später auftragen. Und irgendwie hat es am Ende sogar Spaß gemacht. Das Resultat sind Wände, auf die ich wirklich stolz bin. Und gewonnene Muskelmasse in den Armen.

Grundierung und Streichen der Wände – endlich weiße Wände!

Tag 17 und 18: Auch wenn ich mich mittlerweile an das strahlende Grau der Spachtelmasse gewöhnt hatte, sollten die Wände langsam weiß werden. Noch mehr Schichten Grundierung folgten, noch mehr Armeinsatz. Eine unscheinbare, aber notwendige Schicht, die dafür sorgt, dass die Farbe später gleichmäßig hält. Dann kam das richtige Streichen. Was für ein Genuss! Die Wände wurden strahlend weiß, und ich hatte das Gefühl, dass ich nach all dem Staub und den Tapetenresten endlich die Belohnung für meine Mühen bekam. Während ich die Farbe auftrug, hörte ich eine Menge True Crime-Podcasts und war bester Laune.

Boden verschließen

Tag 19: Zu guter Letzt war der letzte Step nicht zu übersehen: Zwischen Boden und Terrassentür klaffte noch eine Lücke, durch die man quasi bis ins Herz meiner Baustelle schauen konnte. Also schnappte ich mir eine Kartusche Silikon und eine Silikonpistole – und das war der Moment, in dem ich feststellte, dass Silikon definitiv nicht so einfach zu handhaben ist, wie es aussieht. Die Kartusche war widerspenstig, meine Hände verklebten, und ich glaube, ich habe eher meine Hose als das Loch im Boden versiegelt. Die alte Laminatreste schnitt ich mit einer Stichsäge zu (die ich definitiv nicht nach Lehrbuch bediente) und halbwegs passgenau eingesetzt. Fertig!

Endlich: Let’s do some art!

Sand und Muschelbild selbstgemacht

Nachdem ich gefühlt zum tausendsten Mal Staub gewischt hatte – und trotzdem in jeder Ecke immer noch eine feine Schicht Baustaub fand – dachte ich mir: Schluss mit dem Kampf! Statt mich weiter über den Dreck zu ärgern, habe ich beschlossen, ihn kreativ zu nutzen. Na gut, nicht den Staub, aber den übrig gebliebenen Flexkleber, der eigentlich schon auf dem Weg in den Müll war.

Ich schnappte mir den Kleber, ein paar alte Muscheln aus dem letzten Strandurlaub in Dänemark und ein Stück Holz, das noch von einem anderen Bauprojekt übrig war, und legte los. Innerhalb weniger Stunden wurde aus dem klebrigen Baustellen-Rest ein rustikales Sand- und Muschelbild, das jetzt meine Wohnung ziert. Es erinnert mich daran, dass Baustellenchaos und Kreativität manchmal Hand in Hand gehen – und dass selbst die größten Kleber-Reste noch Potenzial für etwas Schönes haben.

Es war der Moment, in dem ich mich wieder ganz als Künstlerin fühlte und nicht mehr als Handwerkerin, die mit Giraffen, Rakeln und Silikon kämpft. Und das Beste: Mein Sandbild hat jetzt genau den perfekten Look – mit einer Prise Baustellenstaub als unsichtbare Signatur.

Zwischen Handwerkerin und Künstlerin: Wenn der Rakel versagt

Natürlich lief in dieser Zeit nicht immer alles nach Plan. Viel hab ich improvisiert, oft hatte ich mich verkalkuliert, manchmal waren die Werkzeuge nicht auf meiner Seite – oder ich nicht auf ihrer. Der Rakel zum Beispiel: Eigentlich ein nützliches und spannendes Werkzeug zum Glätten von Putz, aber für mich irgendwie unhandlich. Also habe ich kurzerhand meine Hände benutzt. Klebrig? Klar. Effektiv? Absolut.

Und weil ich nicht alles an Material verschwenden wollte, habe ich angefangen, es zweckzuentfremden. Die Holzreste verwandelte ich in schicke Deko und den Rest der weißen Wandfarbe kann ich zum Anmischen für andere Farbtöne gebrauchen. Ich glaube, das ist der Moment, in dem die Künstlerin in mir die Handwerkerin überholt hat.

Digitale Nomadin : ich habe einen Traumfänger gemalt

Am Ende war es nicht nur eine Renovierung, sondern ein echtes Abenteuer. Klar, es war körperlich anstrengend, und ich hatte am Anfang keine Ahnung, wie schwer die Geräte sein können oder wie staubig so eine Baustelle wirklich ist. Aber ich habe gelernt, dass ich mehr schaffen kann, als ich mir selbst zugetraut habe – und dass selbst eine Baustelle Platz für Kreativität bietet.

Ich möchte euch zeigen, wie ich als Frau und absoluter Laie mit gelegentlicher Hilfe eine Baustelle gemeistert habe. Es geht um Kreativität, Durchhaltevermögen und den Spaß daran, etwas Eigenes zu schaffen, auch wenn man zwischendurch improvisieren muss.

Denn wenn ich das kann, könnt ihr das auch! 😊♀️

Buch dir einen Call


Das sind meine Services als digitale Nomadin

Buche mich als Freelancer

Digitale Nomadin - Freelancing Dienstleistungen - Content Management Marketing Service
Digitale-Nomadin-Freelancing-Dienstleistungen-Suchmaschinenoptimierung-SEO-Management
Digitale-Nomadin-Freelancing-Dienstleistungen-eigene-Website-erstellen-lassen

Digitale-Nomadin-Freelancing-Dienstleistungen-Blogartikel-Copy-Writing
Digitale-Nomadin-Freelancing-Dienstleistungen-Uebersetzungen-Spanisch-Englisch
Digitale-Nomadin-Freelancing-Dienstleistungen-individuelle-Beratung-und-Workshops
Digitale-Nomadin-Freelancing-Dienstleistungen-Analysen-Reportings-Datenauswertung
Digitale-Nomadin-Freelancing-Dienstleistungen-Hundetraining-Grundkommandos-Leinenfuehrigkeit

Digitale-Nomadin-Freelancing-Dienstleistungen-Aerial-Yoga-Kurs
Digitale-Nomadin-Freelancing-Dienstleistungen-Spanisch-lernen

Als digitale Nomadin bin ich häufig allein in der Welt unterwegs. Aber eben nicht ganz allein, denn meine treue Begleiterin Mia ist auf allen Reisen dabei. Lest selbst, wie das Abenteuer Hund im Wohnmobil aussieht. Eine Sache ist sicher: Langeweile ist definitiv nicht in meinem Wortschatz enthalten!


Entdecke mehr von Digitale Nomadin - Delia

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen