Die Ausgangslage: Ein Bad wird zur Baustelle
Sanieren â das klingt erstmal spannend, ein bisschen nach Abenteuer und Selbstverwirklichung. In meinem Fall ging es ums Bad, in der ich Schimmel entdeckte. Klassiker. Eigentlich wollte ich nur âmal ebenâ renovieren. Am Ende stand ich monatelang zwischen Schutt, Werkzeugen und endlosen Wartezeiten. Dass ich mir dafĂŒr keinen leichten Raum ausgesucht hatte, merkte ich schnell: Ein Bad ist ein eigener Kosmos, in dem jedes Gewerk eine Rolle spielt â vom Installateur ĂŒber den Elektriker bis zum Fliesenleger. Und jeder davon möchte natĂŒrlich fĂŒr seinen Teil ein paar Tausend Euro sehen. Auch wenn das Bad eigentlich super klein ist, sind die vielen Ecken und Kanten genau das kostspielige Problem.

Kostenfalle Handwerker
Je mehr Spezialisten im Spiel waren, desto teurer wurde es. Anfangs dachte ich noch, ich könnte Kosten sparen, indem ich selbst mitanpacke. Also nahm ich voller Elan den Bohrhammer in die Hand und die ersten Fliesen von der Wand. Blöderweise zeigte sich dann erst, was alles im Verborgenen schlummerte: beschÀdigte WÀnde, mehr Feuchtigkeit als gedacht, zusÀtzliche Arbeitsschritte.
Aus meiner vermeintlichen “Hilfe” wurde schnell ein Bumerang, denn die Handwerker kalkulierten plötzlich noch mehr Aufwand fĂŒr das viele Aufputzen â und damit höhere Preise. Am Ende hatte ich mir ins eigene Fleisch geschnitten.

Versicherungsschaden â klingt besser, als es ist
Meine Hoffnung war, dass wenigstens die WohngebĂ€udeversicherung einen Teil abdeckt. Aber das, was nach Erleichterung klingt, entpuppte sich als Geduldsspiel der Extraklasse. Zuerst mussten Angebote eingeholt werden, dann hieĂ es wochenlang warten. Und wĂ€hrenddessen: keine Dusche. Ich hörte nur Ausreden wie “Urlaubszeitâ, “teure Materialien” und “Personalmangelâ â und fragte mich, ob in diesem Tempo jemals ein Bad fertig werden kann.
Der zweite Gutachter â und die Endlosschleife
Gerade als ich nach sechs Wochen dachte, es gehe vorwĂ€rts, wurde ich eines Besseren belehrt: Die Versicherung schickte noch einmal einen Gutachter. Zur Sicherheit, versteht sich. Der Gutachter hielt wieder seine MessgerĂ€te an die WĂ€nde â und kam zu dem wenig ĂŒberraschenden Ergebnis, dass die Werte inzwischen deutlich besser waren. Logisch, nach so langer Trocknungszeit.

Als ich ihn scherzhaft fragte, ob ich wenigstens bis Weihnachten mit einem funktionierenden Bad rechnen dĂŒrfe, schaute er mich mit einem Blick an, den man sonst nur von Ărzten kennt, und sagte langsam: âIch drĂŒcke Ihnen ganz fest die Daumen.â In diesem Moment wusste ich: Das wird dauern.
Staub, Schutt und körperliche Grenzen

Was man vorher nicht ahnt: Der Staub hört nicht im Bad auf. Er legt sich in jede Ritze, zieht bis ins Schlafzimmer und Wohnzimmer, setzt sich in die kleinste Fuge. Dazu kommt die körperliche Belastung. Fliesen stemmen, Schutt tragen, das Wohnmobil entfremden, Leitungen freilegen â das ist Schwerstarbeit, besonders wenn man als Frau, die sonst acht Stunden am Computer sitzt, nicht daran gewöhnt ist.
Ich hatte Handgelenksschmerzen, mein Ellbogen meldete sich mit einem Tennisarm, und die Lunge fĂŒhlte sich nach Tagen voller Staub an, als hĂ€tte ich eine Packung Zigaretten inhaliert. Sanieren ist kein Wellnessprogramm, sondern ein echter Kraftakt. Und dieser Staub – ĂŒberall, der einfach nicht mehr wegzukriegen war.
Sanieren alleine als Frau? Geht das?
Ja – grundsĂ€tzlich wĂŒrde ich jedem empfehlen, so etwas einmal im Leben selbst zu machen â man lernt so viel dazu in einem komplett neuen Fachgebiet und das GefĂŒhl, alleine mit seinen HĂ€nden etwas geschaffen zu haben, ist toll! Aber alleine ist es wirklich eine enorme Herausforderung. Ich habe riesigen Respekt vor allen, die neben einem 40-Stunden-Job noch ein Haus bauen. FĂŒr mich war es trotz Homeoffice schon kaum machbar, weil stĂ€ndig Handwerker tagsĂŒber kamen. Man muss prĂ€sent sein, Fragen beantworten, spontan entscheiden â das lĂ€sst sich nicht einfach in den Feierabend verlagern.
Wenn die Beziehung zur Baustelle wird
Nebenbei lernte ich noch etwas anderes: Eine Baustelle ist der ultimative Beziehungstest. Nach einem Tag Marketing am Laptop ist man vielleicht mĂŒde, aber nach einem Tag Staub, Stemmen und Werkzeugschleppen ist man einfach erledigt. Um so ein Projekt als Paar zu schaffen, muss man ein echtes Team sein. Ich habe dabei sehr schnell gemerkt, mit wem Zusammenarbeit funktioniert â und mit wem nicht. Ganz alleine ist es einfach nicht machbar, abgesehen davon, dass zu zweit alles mehr SpaĂ macht â manchmal muss einfach jemand assistieren, etwas halten oder beim Schutt tragen helfen. Noch dazu der mentale Support – nach schlechten Nachrichten von den Handwerkern, tut so eine Umarmung am Abend einfach auch mal gut.
Was kostet Vertrauen?
Bleibt die Frage: Wie wĂ€hlt man die richtigen Handwerker aus? Nach Preis? Nach Sympathie? Oder nach BauchgefĂŒhl? Schwarz? Auf Rechnung? Eine Wasserschaden-Firma, die alles macht? Einzelne Handwerker? Renommiertes, spezialisiertes Einzelunternehmen? Ich habe alle Kriterien ausprobiert â und festgestellt: Nichts ist eine Garantie. Der billigste Anbieter ist selten der beste, aber auch hohe Preise schĂŒtzen nicht vor Problemen. Am Ende muss man hoffen, dass man jemanden erwischt, der sein Handwerk versteht und dann auch noch zuverlĂ€ssig ist und auftaucht. Ein bisschen GlĂŒck gehört immer dazu.
Nur noch Augen fĂŒr Fliesen, Fugen und Formate
Und dann gibt es noch die kleinen, absurden Nebenwirkungen: Seit meiner Badsanierung schaue ich ĂŒberall auf FLIESEN. Egal ob im Restaurant, BĂŒro oder Hotel â mein erster Blick wandert automatisch auf den Boden oder die WĂ€nde. Ich erkenne sofort das Format, die Fugenbreite, die Anordnung. Auf der StraĂe fallen mir plötzlich BaugerĂŒste und Sanierungen auf, und ich ertappe mich bei Gedanken ĂŒber Silikonfugen. Aus der Marketingfrau ist in meinem Kopf eine kleine Bauleiterin geworden.

đ§ Meine Lieblings-Werkzeuge
- Schlagbohrer
Mein treuester Begleiter auf der Baustelle â ohne ihn lĂ€uft gar nichts. Ideal fĂŒr harte WĂ€nde und schnelle Fortschritte.
đ Schlagbohrer - RĂŒhrer fĂŒr Bohrer
Weil Flexkleber, Putz und Farbe besser cremig als klumpig sein sollten. Spart Zeit und Nerven und fĂŒhlt sich an wie Kuchenteig.
đ Zum RĂŒhrer - Maurer-Eimer
Man glaubt gar nicht, wie viele man davon braucht â fĂŒr Schutt, Mörtel und alte Fliesen. In meinem 3qm-Bad waren es unschlagbare 40 (!) Eimer voll!
đ Maurer-Eimer im 10er Pack
đȘ Fazit: Alleine sanieren als Frau ist möglich â aber hart. Man wĂ€chst daran, man verzweifelt auch zwischendurch, und man lernt Dinge, die man vorher nie wissen wollte. Am Ende steht nicht nur ein neues Bad, sondern auch das GefĂŒhl, eine Erfahrung gemacht zu haben, die einen verĂ€ndert. đ©âđ§
>> Update folgt <<










