Jeder fängt mal klein an. In diesem Fall habe ich mich 2018 dazu entschlossen, das Vanlife in einem Ford Transit H1L1 Kastenwagen zu starten. Quadratisch, praktisch, gut.

Mit diesem Blogbeitrag hoffe ich, angehende Vanlifer zu inspirieren und ihnen hilfreiche Tipps für ihren eigenen Umbau mit auf den Weg zu geben. Vor allem, wenn man in der Findungsphase noch gar nicht genau weiß, welches Automodell zu den eigenen Bedürfnissen passt. Aber mit der richtigen Planung und Ausführung kann man Großes erreichen – auch auf vier Rädern.
Vom Kastenwagen zum Traum-Wohnmobil: Ein Leitfaden für angehende Digitale Nomaden
Als ich mich 2018 dazu entschied, das Vanlife in einem noch nicht ausgebauten Ford Transit H1L1 zu beginnen, hatte ich keine Ahnung, auf welche Abenteuer ich mich einlassen würde. Doch mit der richtigen Planung und einer gehörigen Portion Kreativität wurde aus meinem robusten Handwerker-Kastenwagen ein gemütliches Glamping-Mobil, das mich auf zahlreichen Reisen durch Südeuropa begleitet hat.
Die Entscheidung zum Umbau
Nach dem Kauf, ginge es eigentlich direkt los. Der erste Schritt war die Entscheidung zum Umbau. Als angehender digitaler Nomade war es für mich wichtig, ein mobiles Zuhause zu schaffen, das nicht nur meine Grundbedürfnisse erfüllte, sondern auch Platz für meine technische Ausrüstung bot.
Tipp: Informiere dich über die Anforderungen an eine Wohnmobilzulassung beim TÜV. Hier kannst du Geld sparen, denn bei einem Wohnmobil zahlst du weniger Versicherungsbeiträge, als bei einem LKW.
Welche Funktionen musste mein Wohnmobil erfüllen? Wie viel Stauraum benötigte ich für Kleidung, Equipment und persönliche Gegenstände? Welche technischen Anforderungen hatte ich als digitaler Nomade? Diese Fragen waren entscheidend für die Gestaltung meines Umbauprojekts und sind auch für andere angehende Vanlifer von großer Bedeutung.
Los ging’s: Umbau unterwegs
Der eigentliche Umbau ging bei mir ziemlich naiv von Statten. Ich legte eine 90er-Matratze ins Auto, packte etwas Werkzeug ein, schloss eine zweite Batterie zum Handy-Laden an und fuhr los. Über Belgien und Frankreich, wollte ich nach Portugal und Spanien. Bereits nach 700km hatte ich jedoch die erste “Panne”. Der Wechselrichter für die zweite Batterie war kaputt. Da ich absolut keine Ahnung von Elektrik habe, ließ ich in einer Autowerkstatt die ersten 300 Euro, nachdem wir uns wild mit Händen und Füßen verständigten, da ich auch leider kein Französisch spreche.
Weiter ging’s durch Frankreich. Ich verbrachte eine aufregende Zeit voller kreativer Lösungen in vielen Baumärkten und ließ mich von den unterschiedlichsten Leuten beraten. Vom Ausbau der Innenverkleidung bis zur Installation eines größeren 1,50m-Betts sowie einer Beauty-Ecke mit Spiegeln und Lichterkette solarbetrieben war jedes Detail wichtig, um meinen Ford Transit in ein gemütliches Zuhause auf Rädern zu verwandeln. Dabei brachten mich handwerkliches Geschick, Kreativität und die Hilfe anderer Vanlifer voran.
Vanlife-Community: Sharing is caring
In Frankreich lernte ich an meinen Stellplätzen immer wieder andere Vanlifer und digitale Nomaden kennen. Trotz der Sprachbarriere bekam ich viel Hilfe und durfte mir besseres Werkzeug ausleihen, um beispielsweise eine Wäscheleine zu installieren oder Schubladen für unter dem Bett zu bauen. Die kleinen Optimierungen halfen mir auf der Weiterreise sehr.
Der Umbau meines Kastenwagens zum Wohnmobil war eine aufregende und lohnende Erfahrung, die mir die Freiheit gab, die Welt zu erkunden, während ich gleichzeitig meinem digitalen Nomaden-Lifestyle nachgehen konnte. Ich schrieb Blogartikel zum Thema Nachhaltigkeit und führte Interviews mit Menschen und Unternehmen, die ich unterwegs kennenlernte und die zum Konzept meiner Website passten.
DIY Campervan-Umbau: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Den eigenen Campervan auszubauen, ist für viele der erste Schritt in ein Leben voller Abenteuer und Freiheit. In dieser Anleitung erfährst du, wie du deinen Van in ein gemütliches Zuhause auf Rädern verwandelst. Das wichtigste: Verwende leichte Materialien und baue platzsparend!
1. Verkleidung
- Materialwahl: Wähle leichte und robuste Materialien wie Sperrholz.
- Dämmung: Verwende Dämmstoffe wie Armaflex, um die Wärme zu regulieren.
- Montage: Schneide die Verkleidung zurecht und befestige sie an den Wänden und der Decke.
2. Boden
- Unterboden vorbereiten: Reinige und schütze den Unterboden mit Rostschutzfarbe. Das machen mittlerweile leider fast keine Werkstätten mehr.
- Dämmung: Lege Dämmmaterial aus.
- Bodenplatte: Montiere eine stabile Bodenplatte aus Sperrholz und lege Vinylboden oder Teppich aus. Denk aber dran, dass dies oft schmutzig wird.
3. Bett
- Rahmenbau: Baue einen stabilen Rahmen aus Holz.
- Lattenrost: Verwende Latten für Belüftung und Stabilität.
- Matratze: Wähle eine bequeme Matratze, die auf den Rahmen passt. Du kannst auch eine größere nehmen und diese zuschneiden, so habe ich das gemacht.
4. Küche
- Schrankbau: Baue Küchenunterschränke und -oberschränke aus Sperrholz.
- Arbeitsplatte: Installiere eine Arbeitsplatte aus Holz oder Laminat.
- Spüle und Herd: Integriere eine Spüle mit Wassertanks und einen Gaskocher. Wenn du auch draußen kochen willst, montiere ihn nicht fest
- Utensilien: 1 Topf, 1 Pfanne, 1 Nudelsieb, 4 Teller, 4 Schüsseln, 4 Becher und Besteck reichen fürs erste.
5. Elektrik
- Batteriesystem: Installiere eine Versorgerbatterie und verbinde sie mit Solarpanels.
- Verkabelung: Verlege Kabel für Beleuchtung, Steckdosen und Geräte, kaufe einen Spannungsumwandler von 12 auf 220 Volt.
- Sicherungskasten: Integriere einen Sicherungskasten für Sicherheit und dass ggf. auch andere dran kommen. Meiner z.B. war viel zu schlecht erreichbar.
6. Zusätzliche Ausstattung
- Stauraum: Baue Schränke und Regale für zusätzlichen Stauraum.
- Belüftung: Installiere Dachfenster oder Ventilatoren! Wichtig!
- Dekoration: Gestalte den Innenraum mit Vorhängen, Teppichen und persönlichen Gegenständen.
Vorteile & Nachteile am Ford Transit Campervan
Vorteile vom H1L1 Camper
- Kompaktheit: Der H1L1-Kastenwagen bietet dank seiner Größe ausreichend Platz für das tägliche Leben und ist dennoch handlich genug, um in enge Parklücken zu passen.
- Unauffälligkeit: Durch die unauffällige Optik eines Kastenwagens ist man weniger als Camper erkennbar und kann sich somit diskret an vielen Orten aufhalten, wenn man nicht gerade sein komplettes Equipment auspackt.
- Leichtes Parken: Dank der kompakten Größe und der großen Außenspiegel ist das Finden eines Parkplatzes kein Problem, selbst in engen Großstädten.
- Genügend Platz (ohne Sportgeräte): Für Personen, die keine Sportgeräte dabei haben, bietet ein Kastenwagen ausreichend Platz für den täglichen Gebrauch für mehrere Monate. Mitnehmen kann man zwei weitere Personen (und ggf. auch zwei Hunde).
- Fahrkomfort & Technik: Der Ford Transit ansich gefiel mir vom Fahr-Komfort. Für mich wichtig ist ein Tempomat auf langen Strecken und das hat er serienmäßig eingebaut (ganz im Gegenteil zum Fiat Ducato oder Citroën Jumper leider!).
Nachteile vom H1L1 Camper
- Keine Stehhöhe: Der größte Nachteil eines H1-Kastenwagens ist die fehlende Stehhöhe, was das Leben im Inneren des Fahrzeugs beengt und auf Dauer unkomfortabel machen kann.
- Probleme mit der Zweitbatterie: Ich hatte immer wieder Probleme mit der fest verbauten Zweitbatterie, was einerseits die Reparatur erschwerte und andererseits ich nie länger autark stand. Meine elektronischen Geräte habe ich somit meist bei Restaurantbesuchen geladen.
- Hitze im Sommer: Aufgrund einer fehlenden Dachluke und des mangelnden Durchzugs wurde es im Sommer im Fahrzeug sehr heiß, was auch für den Hund teilweise grenzwertig wurde.
- Platzmangel für Sportgeräte: Trotz ausreichend Platz für den Transport von Sportgeräten, wie Kites, SUPs und Surfboards, bietet ein L1-Camper nicht genügend Raum, um gleichzeitig darin zu übernachten, was dazu führte, dass ich die Sportausrüstung über Nacht draußen (unter dem Auto) lagerte.
- Eingeschränkte Nutzung von elektronischen Geräten: Leidige Probleme mit Spannungswandlern und Laptop-Kabeln auf 12 Volt erschwerten meine Nutzung von elektronischen Geräten, insbesondere da diese überhitzten oder nicht richtig funktionierten.
- Schön-Wetter-Fahrzeug: Ich hatte keine Standheizung eingebaut und aufgrund von Platzmangel nur draußen gekocht, weswegen ich das Auto im Winter bei unter 4° Celcius nicht mehr richtig zum Campen genutzt habe.
- Ford = Rost: Ein weiterer Nachteil ist die Tatsache, dass Ford-Fahrzeuge für Rostprobleme bekannt sind. Insbesondere ältere Modelle können anfällig für Rostbildung sein, vor allem, wenn man, wie ich, viel am Meer steht. Das war leider auch bei meinem Camper ein zunehmendes Problem.
Jetzt digitaler Nomade werden
Mit der richtigen Planung, Kreativität und technischen Ausstattung ist es jedem möglich, seinen eigenen Traum vom Vanlife zu verwirklichen. Also, worauf wartest du noch? Pack deine Sachen und begib dich auf dein eigenes Abenteuer!
Wie geht es weiter?
Ihr könnt 1 und 1 zusammenzählen, wenn ihr seht, dass in meinen Pro-/Contra-Argumenten die Nachteile überwiegen ;-).
Fazit: Es geht alles! Auch mit dem kleinen Camper habe ich wundervolle Zeiten gehabt, spannende Länder kennengelernt und tolle Arbeitsplätze mit Aussicht gefunden. Doch nachdem ich meine fünfjährige Erfahrung mit diesem H1L1-Ford Transit gesammelt habe, wurde mir klar, dass die Nachteile dieses kompakten Fahrzeugs für meine Bedürfnisse als digitaler Nomade überwiegen. Trotz seiner Vorteile wie Unauffälligkeit, Kompaktheit und leichtem Parken stieß ich auf Herausforderungen wie fehlende Stehhöhe, Probleme mit der Zweitbatterie, Hitze im Sommer und begrenztem Platz für Sportgeräte.
Um meinen Lebensstil als digitale Nomadin komfortabler zu gestalten und die Einschränkungen zu überwinden, habe ich mich dies Jahr entschieden, einen größeren H2L2 Camper zu kaufen. Dieser bietet mehr Platz, eine höhere Stehhöhe, eine zuverlässigere technische Ausstattung und ermöglicht es mir, meine Sportausrüstung sicher und bequem im Fahrzeug zu lagern. Ein leistungsfähiges Solarsystem, eine zuverlässige Internetverbindung und ausreichend Strom für meine elektronischen Geräte sind in Zukunft unverzichtbar. Außerdem möchte ich in die kälteren Länder und das auch im Winter, weswegen ich nicht wieder auf eine Standheizung verzichten würden. Und nicht zuletzt werde ich beim nächsten Fahrzeug auch die Marke wechseln, um langfristige Probleme mit Rost zu vermeiden.
Mit meinem neuen Camper freue ich mich darauf, weiterhin die Welt zu erkunden und meine Arbeit als digitale Nomadin fortzusetzen, ohne die Einschränkungen und Herausforderungen meines früheren Wohnmobils zu erleben. Lest selbst, was es für ein Fahrzeug geworden ist!









