Der Regen prasselt ans Fenster. Ich blicke hinaus. “Nützt ja nix”, sage ich zu Mia, “es ist Zeit Gassi zu gehen, wir sind ja nicht aus Zucker.” Meine Hündin setzt vorsichtig eine Pfote in die Pfütze vor der Haustür, zieht sie sofort wieder zurück und als wir draußen sind, beginnt sie nach wenigen Metern zu zittern vor Kälte. Der eisige Wind bläst durch ihr kurzes Fell, das auf den staubigen Straßen Griechenlands ausreichend war, jetzt aber völlig unzureichend ist. Ihr Blick sagt alles: „Was soll das? Wo ist die Sonne geblieben? Können wir wieder nach Hause?“
So fühlt es sich an, den ersten nassen Herbst und kalten Winter mit einem Hund zu erleben, der bisher nur warmes Wetter kannte. Als digital Nomade durfte ein Hund in meinem Van nicht fehlen. Und so entschloss ich mich, Mia aus Griechenland zu adoptieren. Für viele, die sich entscheiden, einem Straßenhund aus einem warmen Land ein Zuhause zu geben, ist der erste Winter eine Herausforderung – sowohl für den Hund als auch für den Besitzer.

Der erste Winter mit Hund: Warum dein Hund friert
Hunde aus südlichen Ländern sind oft auf Hitze und Sonnenschein eingestellt. Ihr Körper hat sich an das Leben bei milden Temperaturen angepasst. Ein Straßenhund aus Spanien oder Griechenland hat vielleicht nie Schnee gesehen und weiß nicht, was Kälte wirklich bedeutet. Das merkt man schnell: zitternder Körper, geduckte Haltung, eingeklemmter Schwanz und der vorwurfsvolle Blick, der dir mitteilt, dass dein Vierbeiner lieber drinnen bleiben möchte.
Gerade in den ersten kalten Tagen des Winters wird deutlich, wie fremd diese Temperaturen für deinen Hund sind. Mia, wie viele andere Hunde aus wärmeren Ländern, hat einfach nicht genug Unterwolle, um sich gegen die Kälte zu schützen und diese kann auch vom Körper nicht produziert werden, wenn es genetisch nicht vorgesehen ist. Einige Hunderassen sind von Natur aus besser für kaltes Wetter gerüstet, weil sie eine dichte Unterwolle haben, die sie warm hält, z.B. Sibirischer Husky, Alaskan Malamute, Berner Sennenhund, Neufundländer, Samojede, Deutscher Schäferhund, Chow-Chow, Akita, Keeshond oder Tibet-Terrier. Diese Unterwolle wirkt wie eine isolierende Schicht und schützt vor Kälte und Nässe.
Aber bei Straßenhund-Mischlingen ist es wichtig, deinen Hund langsam an die neue Umgebung zu gewöhnen und gleichzeitig die richtige Winterausrüstung für ihn bereitzustellen.
Die perfekte Herbst- und Winterausrüstung für deinen Hund
Ich wollte nie einen Hund in Klamotten stecken und ihn verhätscheln bzw. vermenschlichen. Vielleicht mag es auch dir komisch vorkommen, aber es ist nun mal so: Hundemäntel sind nicht nur modisches Zubehör, sondern für viele Hunde in kalten Klimazonen absolut notwendig. Besonders für Hunde, die aus warmen Ländern adoptiert wurden, ist ein Wintermantel oft die beste Entscheidung, um sie vor dem Frieren zu schützen.
Richtwert: Ich ziehe Mia ihren Mantel übrigens bei unter 10 Grad an, wenn wir langsame Spaziergänge machen und wenn sie mit ihren Hundekumpels unterwegs ist, dann erst bei unter 5 Grad. Ab wie viel Grad dein Hund friert, erkennst du meist am Zittern.
Wintermantel für Hunde: Worauf solltest du achten?
Ein Hundewintermantel sollte gut sitzen und deinen Hund in Bewegung nicht einschränken. Achte darauf, dass der Mantel den empfindlichen Bauchbereich abdeckt und wasserdicht, bzw. mindestens wasserabweisend ist. Ein guter Wintermantel hat zudem ein wärmendes Innenfutter und schützt auch den Brustbereich, wo sich der Körper deines Hundes besonders schnell abkühlt. Oft haben die Mäntel hinten Schlaufen, wo man die Hinterbeine des Hundes durchsteckt, damit er nicht verrutscht. Diese lasse ich aber eher weg.
Hier einige wichtige Tipps zur Auswahl eines Mantels:
- Passform: Der Mantel sollte eng anliegen, aber nicht zu eng sein. Dein Hund sollte sich frei bewegen können. Die Größen der Mäntel werden in cm angegeben, je nach Länge des Rückens des Hundes.
- Material: Wähle unbedingt wasserdichte bzw. wasserabweisende Materialien für regnerische oder schneereiche Tage, keinen “Teddy-Stoff”, der sich dann vollsaugt. Super in der dunklen Jahreszeit sind auch reflektierende Stoffe.
- Futter: Ein warmes Futter aus Fleece oder anderen isolierenden Materialien hält deinen Hund kuschelig warm.
- Leicht anzuziehen: Da du den Mantel wahrscheinlich mehrmals täglich an- und ausziehen musst, achte auf einfache Verschlüsse, wie Klett oder Schnallen. Ich mag gerne die Sorte Mäntel, die man, wie beim Pferd die Pferdedecke, unter dem Bauch verschließt.
Rückenlänge beim Hund messen: So geht’s richtig
Die Rückenlänge eines Hundes ist die Maßangabe, wenn du einen Wintermantel, Pullover oder Regenmantel für deinen Hund kaufen möchtest. Die korrekte Messung sorgt dafür, dass das Kleidungsstück gut passt und deinen Hund optimal schützt, ohne ihn in seiner Bewegung einzuschränken. Hier erfährst du, wie du die Rückenlänge deines Hundes richtig misst.
- Stelle deinen Hund in eine gerade Position
Dein Hund sollte stehen und nicht sitzen oder liegen. Achte darauf, dass er aufrecht und entspannt ist, da eine gekrümmte Haltung zu ungenauen Ergebnissen führen kann. Dafür kannst du die Hand unter den Bauch geben, ohne den Hund hoch zu drücken, meistens reagiert er von alleine. - Finde den Startpunkt: den Widerrist
Der Widerrist ist der höchste Punkt des Rückens, dort, wo der Hals in den Rücken übergeht und ein “Knochenknubbel” ist. Er befindet sich zwischen den Schulterblättern deines Hundes. Dies ist der Startpunkt für die Messung. Leg hier ein Maßband an. - Endpunkt: Der Rutenansatz
Der Rutenansatz ist der Punkt, an dem der Rücken in den Schwanz übergeht. Hier endest du mit der Messung. - Messe mit einem flexiblen Maßband
Verwende am besten ein flexibles Maßband (wie ein Schneidermaßband). Lege es entlang des Rückens deines Hundes, beginnend am Widerrist bis hin zum Rutenansatz. Achte darauf, dass das Maßband eng am Körper anliegt, aber den Rücken deines Hundes nicht eindrückt. Oder du nimmst eine Schnur, die du danach mit einem Zollstock abmisst. - Notiere die gemessene Länge
Die gemessene Länge ist die Rückenlänge deines Hundes und die entscheidende Größe, um passende Hundekleidung auszuwählen. Oft werden die Größen in “cm Rückenlänge” angegeben, weshalb es wichtig ist, diese richtig zu messen. Manchmal gibt es auch fünfer-Abstände, also 45 bis 50cm z.B. Aber anprobieren solltest du die Mäntel ja ohnehin.
Warum die richtige Rückenlänge wichtig ist
Eine gut sitzende Jacke oder ein Mantel für deinen Hund sollte den Rücken bis zum Rutenansatz bedecken, ohne zu kurz oder zu lang zu sein. Wenn die Kleidung zu kurz ist, wird dein Hund nicht ausreichend geschützt, vor allem im Winter oder bei Regen wird dann der Popo nass. Ist sie hingegen zu lang, kann der Regenmantel beim Laufen stören und ständig verrutschen. Und dabei geht es weniger um die Marke, als um die Passform. Ich habe sowohl mit “Trixie” gute Erfahrungen gemacht als auch mit teureren Marken.
Pfotenpflege im Winter: Schutz vor Kälte und Streusalz
Neben einem guten Mantel solltest du auch an die Pfotenpflege denken. Gerade in Regionen, in denen Streusalz auf den Straßen gestreut wird, können die empfindlichen Ballen deines Hundes stark beansprucht werden. Regelmäßige Pflege mit speziellen Pfotenbalsamen schützt die Ballen und hält sie geschmeidig. Für besonders empfindliche Hunde gibt es sogar spezielle Hundeschuhe, die zusätzlichen Schutz bieten. Aber üblicherweise reicht es, die Pfoten nach jedem Gassi mit einem Handtuch zu trocknen (auch zwischen den Zwischenräumen) und am Abend hin und wieder die Ballen mit Vaseline oder Zink-Salbe einzucremen.
Leuchthalsband für den Hund
Jetzt wird es so früh dunkel, da sollte man das Leuchtie schon bei der Nachmittagsrunde einpacken. Ein Leuchthalsband ist vor allem auch beim Campen ein weiteres essentielles Accessoire, das ich meinem Hund im Herbst und Winter nicht vorenthalte. Gerade in den dunkleren Monaten, wenn die Tage kürzer werden, ist es wichtig, dass mein Hund auch bei Spaziergängen in der Dämmerung oder bei Nacht gut sichtbar ist. Das Leuchthalsband sorgt dafür, dass Mia stets gut erkennbar bleibt, sowohl für mich als auch für andere Spaziergänger oder Autofahrer. Es gibt sie in verschiedenen Farben und mit verschiedenen Funktionen – von einfachen Leuchten bis hin zu blinkenden “Zombie”-Modellen (vor denen Mia allerdings Angst hat). Probiert euch am besten im Zoofachhandel einmal aus und kauft ein Halsband, das mit USB aufladbar ist. Viel mehr ist nicht zu beachten.
Bewegung im Winter: So bleiben Hund und Mensch fit

Auch wenn dein Hund nicht sofort begeistert vom Wintermatsch ist, benötigt er dennoch ausreichend Bewegung. Gerade Hunde, die zuvor auf der Straße lebten, sind an viel Bewegung gewöhnt. Versuche, deinem Hund das kalte Wetter schmackhaft zu machen: Beginne mit kurzen Spaziergängen und steigere die Länge nach und nach, sobald er sich an die Kälte gewöhnt hat.
Wie viele Tricks kann dein Hund?
Beschäftige deinen Hund auch drinnen mit Kauspielzeug, intelligenten Spielen und Suchaufgaben und bring ihm Tricks bei, um ihm genug mentale und körperliche Auslastung zu bieten. So bleibt dein Vierbeiner auch in der kalten Jahreszeit zufrieden und ausgeglichen.
Vitamine für den Hund – und dich
Ein gesunder Start in den Tag ist nicht nur für uns wichtig – auch unsere Hunde profitieren von den Vitaminen in frischem Obst und Gemüse. Während ich mir meinen Smoothie aus Zutaten wie Banane, Apfel, Sellerie, Kurkuma, Ingwer, Hafermilch und Joghurt zubereite, fällt für meinen Hund Mia davon ganz schön viel ab. Sie bekommt ihre eigene Portion gesunder Leckereien: Ich schnipple ihr eine bunte Mischung aus Apfelstücken, Karotten, Banane und Sellerie ins Frühstück und tue einen Klecks Naturjoghurt drüber.

Diese Kombination ist nicht nur nährstoffreich, sondern auch eine tolle Möglichkeit, den Hund mit wichtigen Vitaminen und Ballaststoffen zu versorgen, um das Immunsystem im Herbst zu stärken. Und Mia liebt’s.
So hilfst du deinem adoptierten Straßenhund durch die kalte Jahreszeit: Zuhause ist es am schönsten
Der erste Winter mit einem adoptierten Straßenhund aus einem warmen Land kann herausfordernd, aber natürlich auch sehr erfüllend sein. Es erfordert auf jeden Fall Geduld, den Hund langsam an die Kälte zu gewöhnen und die richtige Ausrüstung bereitzustellen.
Auch wenn ihr als digitaler Nomade Zuhause vielleicht keine Fußbodenheizung oder einen Kamin habt, könnt ihr eurem Hund auf jeden Fall einen warmen, gemütlichen Platz schaffen, damit er sich nach einem winterlichen Spaziergang richtig aufwärmen und entspannen kann. Ein weiches Hundebett oder eine kuschelige Decke in einer Ecke fern von kalten Zugluft ist der perfekte Rückzugsort. Falls der Boden bei euch kalt ist, könnt ihr eine isolierende Unterlage oder einen kleinen Teppich unter das Hundebett legen, um den Boden abzuschirmen. Oder ihr erhöht das Hundebett ein wenig, um dem Hund vor Blasenentzündung zu schützen.
Und glaubt mir, sobald euer Hund – so wie Mia – das erste Mal Schnee sieht, werdet ihr ein völlig neues Kapitel in eurem Zusammenleben aufschlagen. Die Kälte wird in dem Moment vergessen sein, wenn er voller Freude durch die Schneedecke pflügt, als hätte er nie etwas anderes getan. Ein Anblick, bei dem das Herz aufgeht.
Halloween mit Hund: Darf mein Hund Kürbis essen?
Während du deinen Hund auf den bevorstehenden Winter vorbereitest, gibt es vorher noch ein Herbsthighlight: Halloween. In dieser Jahreszeit geht es nicht nur Herbstspaziergänge, sondern auch um leuchtende Kürbisse und vielleicht sogar das ein oder andere Gruselkostüm, was sich auch für Hunde eignet. Hast du schon mal deinen Hund verkleidet?
Übrigens ist Kürbis ist nicht nur gut zum Schnitzen an Halloween, sondern auch für Hunde zum Essen, denn er ist reich an Vitaminen und Ballaststoffen, die gut für die Verdauung sind. Ich koche Kürbis zusammen mit anderen tollen Herbstgemüsen wie Rote Beete, Möhren und Kartoffeln als Ergänzung zum normalen Futter. Schmeckt Mia vorzüglich. 🎃🐕









