Der Frühling ist da – die Natur explodiert im Mai nahezu, die Tage werden länger, und die Wälder füllen sich mit neuem Leben. Für unsere jagdlich ambitionierten Hunde bedeutet das: jede Menge spannende Gerüche, frische Fährten und eine gehörige Portion Aufregung. Doch gerade jetzt ist besondere Rücksicht gefragt. Denn während unsere Hunde voller Energie durchstarten möchten, beginnt für viele Wildtiere die sensible Phase der Aufzucht.
🧠 Wichtig vorweg:
Den Jagdtrieb deines Hundes kannst du nicht einfach “wegtrainieren” – und das sollst du auch gar nicht. Viel sinnvoller ist es, den natürlichen Instinkt in kontrollierte Bahnen zu lenken. Mit gezieltem Training wie Apportieren, Fährtenarbeit oder Reizangel-Übungen lernt dein Hund, seine Energie sinnvoll einzusetzen – mit dir als zuverlässigem Partner an seiner Seite.

Warum der Frühling für Hundebesitzer besondere Aufmerksamkeit erfordert
Von März bis Juni hinein bringen viele Wildtiere ihren Nachwuchs zur Welt. Rehkitze liegen gut getarnt im hohen Gras, Frischlinge tapsen neugierig durch den Wald, und Gänseküken folgen ihren Eltern durch Wiesen und an Gewässerrändern. Für unsere Hunde sind das unwiderstehliche Reize – doch ein unkontrollierter Jagdtrieb kann in dieser Zeit fatale Folgen haben.
Sinnvolle Tricks für jagdlich motivierte Hunde – Fokus fördern statt Frust aufbauen
Nur weil dein Hund eine starke jagdliche Motivation hat, heißt das nicht, dass du ihm diesen Trieb komplett „abgewöhnen“ musst. Viel sinnvoller – und artgerechter – ist es, ihn in kontrollierte Bahnen zu lenken. Mit gezielten Übungen stärkst du die Bindung zwischen euch, schulst seine Impulskontrolle und sorgst gleichzeitig für körperliche und geistige Auslastung.
Tempowechsel: Aufmerksamkeit durch Bewegung
Wenn du mit einem energiegeladenen Hund unterwegs bist, helfen Tempowechsel: bewusstes sehr langsames Gehen, zügiger Schritt, Trab und kurzen Sprints (Galopp). Kündige jeden Wechsel mit einem klaren Signal an. Ich verwende hierfür wirklich die Pferdegangarten als Kommando. Ziel ist es, dass dein Hund aufmerksam bei dir bleibt und sich deinem Tempo anpasst – statt sich gedanklich schon auf dem nächsten Wildwechsel zu verlieren. Diese Übung fordert Konzentration, Körpergefühl und Reaktionsfähigkeit – ganz ohne Wildkontakt. Du wirst merken, dass dein Hund dadurch viel weniger an der Leine zieht.
Leckerli erschnüffeln am Baum
Statt Leckerlis einfach ins Gras zu werfen, nutze Baumstämme oder dicke Äste. Verstecke kleine Belohnungen in Rindenritzen, auf erhöhten Stellen oder unter einem Stück Rinde am Boden. Dein Hund darf systematisch suchen, schnüffeln und sich die Belohnung erarbeiten – das spricht seinen natürlichen Spürsinn an, sodass er „auf die Jagd“ gehen muss, aber eben nach Leckerlis und nicht nach Wild. Noch spannender wird’s, wenn du das Ganze als kleines Ritual mit Suchsignal und Freigabe aufbaust oder die Leckerlis immer schwieriger unter Blättern und co. versteckst.
Impulskontrolle spielerisch trainieren
Hunde mit Jagdtrieb reagieren oft blitzschnell – lernen aber genauso gut, kurz innezuhalten. Baue den Hundetrick ein wie: „Bleib“ während du einen Dummy wirfst – und erst nach Freigabe darf er los. Oder: Du lässt ihn sitzen, legst ein Leckerli ein paar Meter entfernt ab, gehst zurück, und erst auf Signal darf er es sich holen. Diese Übungen fördern Selbstkontrolle und Geduld – Fähigkeiten, die du im Ernstfall dringend brauchst.

Kleine Rituale mit großer Wirkung
Das sind vielleicht keine ausgefallenen Tricks für Hunde, jedoch geht es hierbei um eure Kommunikation. Je klarer euer gemeinsames „Alltagsprotokoll“ ist, desto sicherer fühlt sich dein Hund – und desto eher orientiert er sich an dir, statt sich in Außenreizen zu verlieren. Ein kurzes „Check-in“-Ritual zu Beginn des Spaziergangs mit dem Kommando “Sitz”, ein gemeinsames Startsignal („Los!“), bewusstes „zusammen warten“ an spannenden Stellen und den Gänsen einfach nur zugucken – das alles stärkt eure Verbindung und gibt deinem Hund eine klare Struktur, in der er sich sicher bewegen kann.
5 Tipps für einen verantwortungsvollen Frühling mit deinem Jagdhund
Leinenpflicht ernst nehmen
In vielen Bundesländern gilt während der Brut- und Setzzeit eine gesetzliche Leinenpflicht. Auch wenn dein Hund gut hört, ist es wichtig, ihn in dieser Zeit an der Leine zu führen – besonders in Wald- und Wiesengebieten. So schützt du nicht nur das Wild, sondern auch deinen Hund vor möglichen Gefahren.
Rückruftraining intensivieren
Ein zuverlässiger Rückruf ist das A und O – besonders bei jagdlich motivierten Hunden. Nutze die Frühlingszeit, um das Rückruftraining zu festigen. Belohne deinen Hund großzügig, wenn er auf dein Signal reagiert, und übe in unterschiedlichen Umgebungen, um die Ablenkung zu steigern.
Wildwechsel mit dem Hund meiden – gehe später morgens Gassi
Informiere dich über bekannte Wildwechsel und meide diese Bereiche während der Aufzuchtzeit. Besonders in den frühen Morgen- und späten Abendstunden sind viele Wildtiere aktiv. Spaziergänge in weniger frequentierten Gebieten oder zu anderen Tageszeiten können helfen, Begegnungen zu vermeiden.
Alternativen bieten und Hundetricks beibringen
Biete deinem Hund alternative Beschäftigungen, um seinen Jagdtrieb in kontrollierte Bahnen zu lenken. Nasenarbeit, Dummytraining oder gezielte Suchspiele können helfen, den natürlichen Trieb auszuleben, ohne Wildtiere zu gefährden.
Lerne die Körpersprache von deinem Hund
Beobachte deinen Hund genau und lerne, seine Körpersprache zu deuten. Ein plötzliches Innehalten, gespitzte Ohren oder ein angespannter Körper können Anzeichen dafür sein, dass er Wild gewittert hat. In solchen Momenten ist es wichtig, ruhig zu bleiben und ihn konsequent zurückzurufen.
Welche leicht erziehbare Hunderassen ohne Jagdtrieb gibt es? Wenn du einen entspannten Begleiter suchst, der nicht ständig Wildspuren verfolgt, sind diese Rassen oft gute Kandidaten: Berner Sennenhund, Neufundländer, Eurasier, Havaneser, Französische Bulldogge, Cavalier King Charles Spaniel, Bichon Frisé, Mops, Kromfohrländer, Bolonka Zwetna, Shih Tzu. Diese Hunde gelten als eher ruhig, leicht lenkbar und haben in der Regel keinen ausgeprägten Jagdtrieb. Mehr Infos auf meinem Hundeblog.
Ja, aber nur mit sehr gutem Rückruf und ausreichend Training. Rassen wie Deutsch Drahthaar, Weimaraner, Vizsla, Bracken, Beagle, Münsterländer oder Setter tragen den Jagdtrieb in den Genen. Frei laufen sollten sie nur in gesichertem Gelände oder wenn du 100 % auf den Rückruf vertrauen kannst – sonst lieber Schleppleine nutzen. Du suchst Hilfe bei der Leinenführigkeit?
Ganz ehrlich: Abgewöhnen – gar nicht. Umlenken – ja! Statt den Jagdtrieb zu unterdrücken, kannst du ihn durch Apportieren, Dummyarbeit, Schleppspur-Training, Reizangel oder kontrollierte Nasenarbeit (z. B. Leckerlisuche) in geordnete Bahnen lenken. Besonders bei Jagdhunden wie Deutsch Kurzhaar, Labrador, Spaniel, Terrier & Co. ist das wichtig. Ich kann dir helfen bei den Kommandos.
Wenn du sportlich bist, aber kein Interesse an Jagdeifer hast, könnten diese Rassen zu dir passen: Pudel (Standard), Australian Shepherd (bedingt), Border Collie (bedingt), Dalmatiner, Boxer, Bobtail, Collie, Briard, Schweizer Laufhund (weniger ausgeprägt), Ridgeback (mit Training). Sie sind lauffreudig, aber der Jagdtrieb ist je nach Linie und Sozialisierung kontrollierbarer. Du suchst nach 100 coolen Hundetricks?
Bei der Treibjagd wird das Wild (z. B. Wildschweine oder Rehe) von Hunden und Treibern gezielt in Bewegung gebracht, damit es von Jägern erlegt werden kann. Dabei kommen spezialisierte Jagdhunde wie Terrier, Bracken oder Deutsche Wachtelhunde zum Einsatz, die gezielt ausgebildet wurden. Diese Jagdform ist stark reglementiert und wird heute meist von Profis durchgeführt.
Ein Hofhund soll Haus und Gelände bewachen – nicht jagen. Geeignete Rassen sind z. B.: Bernhardiner, Pyrenäenberghund, Leonberger, Kuvasz, Landseer, Hovawart, Mastiff, Appenzeller Sennenhund oder Rottweiler. Sie haben meist territorialen Schutztrieb, aber wenig Interesse an Wildverfolgung – vorausgesetzt, sie sind gut erzogen und sozialisiert. Lies meinen Blog für mehr Hundetipps.









