Zwischen Natur, Trommeln und spirituellen Zeremonien
Kennst du diesen Moment, wenn du einen Ort betrittst und sofort spĂŒrst: Hier gelten andere Regeln?! Ich ging ĂŒber den sandigen Pfad, der vom Parkplatz zum Eingang fĂŒhrte. Ăber mir flatterten bunte Fahnen im Wind, in der Ferne hörte ich Trommeln, die wie ein Herzschlag durch den Boden vibrierten. Ein sĂŒĂlich-erdiger Duft von RĂ€ucherstĂ€bchen legte sich um mich, vermischt mit dem Lachen von Menschen, die sich hier begegnen wie alte Freunde â auch wenn sie sich erst seit fĂŒnf Minuten kennen.
Der See glitzerte zwischen den BĂ€umen, wĂ€hrend ein Gong in weiter Ferne den nĂ€chsten Workshop einlĂ€utete. In diesem Moment wusste ich: Die nĂ€chsten Tage wĂŒrden nicht nur voll mit Musik und Ritualen sein â sie wĂŒrden mich verĂ€ndern.

Das New Healing Festival beschreibt eine Reise
Ankommen und Loslassen
Schon in den ersten Stunden lernte ich, dass hier niemand in Eile ist. Die Uhrzeiten sind VorschlĂ€ge, kein Dogma. Ich lieĂ meinen Plan los und folgte den KlĂ€ngen â manchmal einer Handpan im Tipi, manchmal einer Panflöte am Lagerfeuer.
Der Badesee
Der Preddöhler Stausee ist mehr als nur ein Badeplatz. FrĂŒh am Morgen steigen einzelne Gestalten ins Wasser, manche schweigend, viele singend, die meisten nackt und frei. Das Wasser trĂ€gt nicht nur den Körper, sondern spĂŒlt auch den Kopf frei. Bei Hitze eine super AbkĂŒhlung.
Camping-Situation
Das Camping ist recht unkompliziert. Die FlĂ€chen sind gut organisiert, die Wege zu BĂŒhnen, See und Food-StĂ€nden sind verhĂ€ltnismĂ€Ăig kurz – trotzdem bietet es sich an, ein Fahrrad dabei zu haben. Es gibt genĂŒgend RĂŒckzugsorte, schattige PlĂ€tze und sanitĂ€re Anlagen, die einigermaĂen regelmĂ€Ăig gepflegt werden.
Workshops vs. Goa-Party
Unter der Woche stehen Workshops klar im Mittelpunkt. Yoga im Waldlicht, Klangheilung im Tempelzelt, schamanische Rituale am Feuer oder PartnerĂŒbungen auf der Tantra Stage â die Tage sind eine Einladung, sich auszuprobieren und Neues zu erfahren. Freitag um 15 Uhr Ă€ndert sich die Energie: Der erste Goa-Beat dröhnt von der Mainstage ĂŒber das GelĂ€nde, die TanzflĂ€chen fĂŒllen sich, und das Festival verwandelt sich in eine farbenfrohe Party unter freiem Himmel.
Flying Carpet Area: Feuer, Erde, Luft, Wasser
Vier Elemente begleiten jeden Tag: Feuer am Dhuni, Erde unter den nackten FĂŒĂen, Luft voller Musik, Wasser, das alles reinwĂ€scht. Es fĂŒhlt sich an wie ein Tanz mit den KrĂ€ften, die schon vor uns da waren.
Essen, trinken, shoppen
Zwischen den Workshops und Konzerten lĂ€dt ein bunter Markt zum Stöbern ein: StĂ€nde voller farbenfroher Hippie-Kleidung, flieĂender Stoffe, Batik, gehĂ€kelter Tops und weicher Sarongs reihen sich an Schmuck aus Holz, Edelsteinen und handgeknĂŒpften BĂ€ndern â alles liebevoll handgemacht. Dazu duftet es verfĂŒhrerisch nach Gerichten aus aller Welt: frische Currys, mexikanische Burritos, orientalische Falafel, vegane Kuchen und exotische Smoothies. Hier kann man nicht nur seinen Hunger stillen, sondern auch kleine SchĂ€tze finden, die das FestivalgefĂŒhl noch lange begleiten.

Mein Highlight: Kakao-Zeremonie â das Herz öffnende Ritual
Ursprung und Ritual von Kakao
Kakao ist hier mehr als ein GetrĂ€nk. Die Pflanze hat ihre Wurzeln in den Kulturen SĂŒdamerikas, wo sie als Medizin und BrĂŒcke zu den Ahnen gilt. Maltyox â âDanke Kakaoâ â sagen wir im Kreis, bevor der erste Schluck die Lippen berĂŒhrt. In der Zeremonie erzĂ€hlt der Leiter von seiner Familie, die den Kakao anbaut. Vom fermentieren, trocknen, mahlen â alles mit der Hand, alles in Verbindung mit der Erde. Dieser Weg macht jeden Schluck zu einer Erinnerung daran, dass wir Teil eines gröĂeren Ganzen sind.
Als der warme, bittere Kakao meinen Mund fĂŒllte, spĂŒrte ich, wie sich etwas in mir öffnete. Trommeln und GesĂ€nge schwebten durch den Raum, meine FĂŒĂe spĂŒrten den Boden, wir spĂŒren die Verbundenheit mit der Erde und erinnern uns an unsere Ahnen. Wir sind die Kinder, wir sind die BlĂŒte â und wir trinken den puren, ungesĂŒĂten Kakao als Symbol fĂŒr das Blut unserer Vorfahren. Nicht im wörtlichen, sondern im energetischen Sinn: Er trĂ€gt die Essenz derer in sich, die vor uns waren. Jeder Schluck verbindet uns mit dieser Linie, mit ihren KĂ€mpfen, Freuden und Geschichten.
Der Kakao-Baum ist tief verwurzelt in der Erde â seine Wurzeln reichen in die dunkle, nĂ€hrende Tiefe, wĂ€hrend seine BlĂŒten und FrĂŒchte das Licht suchen. In den Legenden heiĂt es, dass die Kakaopflanze von den Göttern zu den Menschen gebracht wurde, um Herz und Erde zu verbinden.
Tantra, schamanische Klangreisen und Tanz als Medizin
Auch auf dem Festival erwarten einen Partner-Massagen, Ăbungen zur Selbsterforschung, Rituale zur IntimitĂ€t â manche sinnlich, manche konfrontierend. Ein Gong, der tiefer vibriert als dein Herzschlag, Trommeln, die dich in Trance wiegen, GesĂ€nge, die nicht von dieser Welt scheinen â ich habe erlebt, wie Musik nicht nur gehört, sondern im ganzen Körper gefĂŒhlt wird.
Ob ekstatisch im Tribal Village, barfuĂ im Sand oder sanft wiegend am Lagerfeuer â Tanzen ist hier nicht nur SpaĂ, sondern ein Werkzeug, um Spannungen abzuschĂŒtteln und Platz zu schaffen fĂŒr Neues.
Die Musik der KĂŒnstler begleitet jeden Tag wie ein Herzschlag. Am Morgen wecken sanfte Handpan-Melodien, Singer-Songwriter und akustische Gitarren die Sinne. SpĂ€ter am Tag fĂŒllen Trommelkreise und Gong-Sessions den Raum mit Vibrationen, die man nicht nur hört, sondern im ganzen Körper spĂŒrt. Jede BĂŒhne hat ihren eigenen Charakter â vom gemĂŒtlichen Tipi mit intimen Konzerten bis zum Tribal Village mit pulsierenden Rhythmen.

Meine Tipps fĂŒr dein New Healing Erlebnis
Sei offen, aber wÀhle bewusst
Lass dich treiben, aber hör auf deinen Körper. Nicht jede Zeremonie muss deine sein.
Plane weniger, erlebe mehr
Das Programm ist riesig, aber ungenau â lass dich drauf ein. Der Lageplan ist nicht vollstĂ€ndig, das Online-Programm ist unĂŒbersichtlich. Am besten vor Ort treiben lassen. Folge den KlĂ€ngen statt der Uhr oder To Do Liste.
Verbinde dich mit den Elementen
Bade im See, tanze barfuà im Waldlicht, wÀrme dich am Feuer. Diese Momente tragen die wahre Magie.
Deine Festival Gadgets
RĂ€ucherstĂ€bchen sind nicht nur Dekoration, sondern ein uraltes Ritualwerkzeug. Ob Sandelholz zur Erdung oder Lavendel fĂŒr Entspannung â der aufsteigende Rauch schafft einen Ăbergang vom Alltag in den Festivalmodus.
Die Handpan ist mehr als ein Instrument: Sie ist ein meditativer Raum, der mit jedem Anschlag sanft mitschwingt. Perfekt fĂŒr SonnenaufgĂ€nge am See oder spĂ€te NĂ€chte am Feuer.
Eine hochwertige, rutschfeste Naturkautschuk-Matte ist beim Festival Gold wert â egal, ob fĂŒr Morning Flow, Klangmeditation oder einfach, um inmitten des Trubels einen persönlichen RĂŒckzugsort zu haben.
Dieser reine, ungesĂŒĂte Kakao bringt die Kraft der Pflanze direkt in die Tasse und lĂ€sst dein Herz öffnen. Ideal fĂŒr eigene kleine Rituale, wenn du die Verbindung zum FestivalgefĂŒhl auch zu Hause spĂŒren möchtest.
Ein kleines Licht macht jedes Zelt zu einem gemĂŒtlichen RĂŒckzugsort. Abends schafft sie sanftes Licht, das den Platz in warmen Glanz taucht â perfekt nach einem langen Festivaltag.
Viele Workshops sind im Ticketpreis enthalten, manche â vor allem Massagen und Spezialangebote â kosten extra und können hochpreisig sein.
Die meisten Workshops sind auf Deutsch, viele Zeremonien werden auf Englisch geleitet. Es gibt eine starke PrĂ€senz sĂŒdamerikanischer Facilitator und somit auch viele Spanisch-Sprechende.
Ja, aber ich finde es absolut nicht empfehlenswert. Die LautstĂ€rke, Hitze und wilden Rudel können stressig sein. Nur fĂŒr extrem sozial vertrĂ€gliche Tiere möglich, die stressresistent sind gegenĂŒber Kleinkindern und aufdringlichen Artgenossen. Da keine Leinenpflicht herrscht, kann es auch passieren, dass die Hunde dein Camp plĂŒndern.
Meine Erfahrung war: Uhrzeiten sind Richtwerte, viele Sessions beginnen spÀter oder dauern lÀnger.
FĂŒr mich war der Kakao, dieser warme Herzöffner, das Highlight auf dem New Healing Festival 2025 â wie eine flĂŒssige Umarmung und pure Erdung zugleich. Jeder Schluck fĂŒhlte sich an, als wĂŒrde er eine unsichtbare Verbindung zur Erde knĂŒpfen und mein Herz weiter öffnen. Der Schamane hat in mir wieder den Wunsch geweckt, meine nĂ€chste Reise in den Amazonas zu planen, um den Ursprung dieser Pflanze und die Menschen dahinter noch intensiver zu erleben. Das Festival selbst ist sicher nicht fĂŒr jeden â man kann schnell ĂŒberfordert sein von den vielen EindrĂŒcken, den GerĂŒchen, KlĂ€ngen und Begegnungen. Doch wenn man bereit ist, sich auf diese besondere Welt einzulassen, findet man hier offene Herzen, ehrliche GesprĂ€che und eine AtmosphĂ€re, in der der Leistungsdruck der AuĂenwelt einfach verschwindet. Es ist ein Ort, an dem man sich treiben lassen, staunen und einfach sein darf â so wie man ist.










